Sonntag, 17. Februar 2013

Felix Experimental Group - Tag 2: Die Tisch-Séance

Um 16 Uhr treffe ich wieder zusammen mit den russischen Gästen beim Haus Mügge ein. Wieder werden wir freundlich und herzlich vom Felix Zirkel empfangen. Diesmal besteht der Zirkel ‚nur’ aus Kai, Julia und Kai’s Mutter. Die Nachbarin von gestern ist heute nicht dabei. Das Pärchen aus der Schweiz ist auch schon anwesend, sodass wir insgesamt zu zehnt im Wohnzimmer sitzen.

Zu Kaffee und Kuchen unterhalten wir uns über den gestrigen Abend. Kai fragt, wer von uns schon an einer Tisch-Séance teilgenommen hat. Wieder bin ich der einzige Neuling, aber ich kann mir ungefähr vorstellen, wie diese Séance ablaufen wird.

Nach ungefähr einer halben Stunde gehen wir auch schon in den Selben Séance-Raum wie am Abend zuvor. Diesmal müssen wir uns keiner Leibesvisitation unterziehen und dürfen sofort in den Raum eintreten. Auch Kai ist bereits dabei, da er sich für diese Séance nicht in Trance versetzen wird.

Im Séance-Raum hängt immer noch das Kabinett an der Decke. Jetzt steht davor aber ein runder, blauer Terassentisch aus Kunststoff. In der Mitte des Tisches sehe ich eine Plastikkappe. Diese kann man theoretisch entfernen um einen Sonnenschirm hinein zu stecken. Ich versuche die Kappe zu lösen, aber sie sitzt sehr stramm und ich bekomme sie nicht heraus.

Die vier Tischbeine sind in den Tisch gesteckt und können demontiert werden. Auch diese sitzen sehr fest und ich bekomme sie nicht vom Tisch gelöst. Julia ermuntert uns wieder, dass wir uns den Tisch genau und von allen Seiten anschauen. Also heben wir alle gemeinsam den Tisch an und schauen darunter. Ich kann nichts Besonderes feststellen. Es ist ein ganz normaler, handelsüblicher Terassentisch, wie er in tausenden von deutschen Gärten steht. Rings um den Tisch wurden zehn schwarze Klappstühle aufgestellt. Es sind dieselben Stühle, wie am Abend zuvor. Eine Platzordnung gibt es diesmal nicht.

Wir nehmen alle um den Tisch herum Platz. Links von mir sitzt Julia, rechts von mir der Gast aus Russland. Etwas hinter Julia steht das kleine Tischchen mit der Rotlichtlampe. Wir sitzen zu zehnt sehr eng um den Tisch und unsere Beine berühren sich. Die Stimmung ist heiter und gelassen.

Kai sagt wieder die Affirmation auf. Er bedankt sich bei den Jenseitigen, bittet um gute Effekte und um Schutz für alle Sitzer. Dann bittet er uns, die Hände auf den Tisch zu legen. Unsere kleinen Finger sollen jeweils die kleinen Finger der Sitznachbarn berühren, sodass ein geschlossener Kreis von Händen auf der Tischplatte liegt. Noch während wir unsere Hände auf den Tisch legen, bemerke ich schon einige Bewegungen am Tisch. Vielleicht hat jemand vor ein Tischbein getreten?

Die zwei Wandlampen und auch die Rotlichtlampe auf dem Tischchen hinter Julia werden ausgeschaltet. Wieder sitzen wir in einem komplett abgedunkelten Raum. Es ist absolut nichts zu sehen. Olivier, der Gast aus der Schweiz, schaltet wieder die Musikanlage an und es ertönt Musik von ABBA. Wieder sollen wir die Lieder laut mitsingen.

Es dauert nicht mal zehn Sekunden und schon bemerke ich, wie sich der Tisch bewegt. Er beginnt hin und her zu wandern. Währenddessen spüre ich die kleinen Finger meiner Sitznachbarn an meinen eigenen Fingern. Ihre Hände liegen also flach auf der Tischplatte.

Nun beginnt das Möbel kreisförmig und gegen den Uhrzeigersinn zu wandern. Ein paar Runden ‚läuft’ es zwischen uns Sitzern im Kreis. Jetzt bittet Kai den Tisch, dass er sich im Uhrzeigersinn drehen soll. Er spricht den Tisch direkt an und tatsächlich wird er nun immer langsamer bis er völlig zum Stillstand kommt. Dann beginnt er seine kreisförmige Bewegung aber diesmal im Uhrzeigersinn! Überhaupt macht das Möbelstück immer mehr den Einruck eines eigenständigen Wesens!

Jetzt bleibt er wieder stehen, wackelt nur noch ein wenig und dann erhebt er sich tatsächlich in die Höhe. Ohne Mühe und mit stetigem Druck steigt der Tisch höher und höher bis ich aufrecht und mit komplett ausgestreckten Armen und auf dem Tisch liegenden Händen da sitze. Während der Tisch in die Luft steigt fühlt es sich an, als ob zwischen mir und dem Tisch eine Verbindung besteht. Ich feuere den Tisch an weiter in die Luft zu steigen. Nun schaltet Julia die Rotlichtlampe ein und ich sehe tatsächlich das Möbel zwischen uns Sitzern in der Luft schweben. Ich kann beobachten, dass alle ihre Hände auf dem Tisch und die Füße am Boden haben! Es fühlt sich ganz natürlich an, dass der Tisch unter unseren Händen in der Luft schwebt. Das Ganze dauert vielleicht drei Sekunden und plötzlich fällt das Möbelstück wie ein lebloses Objekt zu Boden, wie man es erwarten würde. Es fühlt sich tatsächlich so an, als ob eine Art ‚Energie’ verbraucht sei und der Tisch nicht mehr in der Luft gehalten werden kann.

Wir jubeln alle und bedanken uns enthusiastisch. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein erhebendes Gefühl. Der Tisch hingegen beginnt sofort wieder mit seinen Bewegungen, die nun immer wilder werden. Wie ein Tier rückt er mir nun auf die Haut. Er lässt gar nicht mehr von mir ab und scheint mir fast auf den Schoß klettern zu wollen. Vielleicht kann man es mit einem Hund vergleichen, der sich freut sein Herrchen wieder zu sehen. Dann lässt er von mir ab und wendet sich Olivier zu, der mir gegenüber sitzt. Auch ihn bedrängt der Tisch regelrecht indem er immer mehr in seine Richtung rückt und sich an seinem Bein reibt. Dann bewegt sich das Möbel wieder von links nach rechts, ‚läuft’ im Kreis, dreht sich um die eigene Achse oder steht für einige Zeit auf nur zwei Beinen. Dann hebt er wieder ab. Auch dieses Mal schaltet Julia das Rotlicht ein und ich kann den Tisch ein weiteres Mal für ein paar Sekunden in der Luft schweben sehen bis er wieder zu Boden fällt. Dann schaltet Julia das Rotlicht wieder aus.

Jetzt sind auch verschiedene Geräusche zu hören. Das eine Mal scheint jemand auf die Tischplatte zu klopfen, dann hört es sich an, als ob jemand mit den Fingernägeln auf den Tisch tappt und dann macht es den Einruck, als liegt irgendein Gegenstand in der Mitte des Tisches und rutscht hin und her! Dann sehe ich aus dem Augenwinkel einen Lichtblitz zu meiner Rechten. Die anderen rufen, dass sie ein Licht unter dem Tisch sehen. Dieses kann ich jedoch nicht wahrnehmen. Ich erblicke jetzt jedoch eine Lichtkugel aus Kai’s Richtung über den Tisch und an die Decke fliegen!  Dann höre ich ein Klatschen aus Kai’s Richtung. Kai meint jedoch, er hätte es aus meiner Richtung klatschen gehört. Nun spüre ich auch noch eine Berührung auf meinem rechten Arm. Es fühlt sich genauso an, wie das Streicheln am Abend zuvor. Jemand anderes meint, er spüre eine Berührung am Fußknöchel.

Während diese Phänomene zu hören, zu sehen und zu spüren sind, haben wir alle unsere Hände auf dem Tisch und singen mehr oder weniger zur Musik aus dem CD-Spieler. Der Tisch bewegt sich währenddessen unbeirrt weiter und erhebt sich noch drei oder vier weitere Male in die Luft.

Es ist nun ungefähr eine Stunde vergangen und bis auf ein langsames hin und her wandern des Tisches passiert nichts weiter, sodass Kai die Sitzung beenden möchte. Als er dies ausspricht werden die Bewegungen des Tisches jedoch wieder heftiger. Plötzlich bleibt das Möbel stehen und scheint zu verharren. Dann steigt es noch einmal ganz langsam in die Höhe und scheint hin und her zu treiben, wie in einer leichten Brise. Dann fällt er wieder zu Boden, kippt zur Seite und steht mit zwei Beinen in der Luft zwischen uns Sitzern. Unweigerlich stellt sich in mir das Bild eines Schauspielers ein, der sich vor seinem Publikum verbeugt. Erstaunlich, wie ein Möbelstück allein durch die Bewegungen den Eindruck eines Lebewesens erzeugen kann!

Jetzt ist die Tisch-Séance aber tatsächlich vorbei und wir begeben uns wieder ins Wohnzimmer. Dort unterhalten wir uns angeregt über das eben erlebte. Nach ungefähr einer Stunde gehen wir gemeinsam in ein Lokal um gemeinsam etwas zu essen. Mittlerweile hat sich schon eine Vertrautheit unter uns Sitzern eingestellt und wir unterhalten uns den ganzen Abend angeregt über die verschiedensten Themen. Während ich mir die Leute anschaue, wie sie sich über das Erlebte austauschen, wird mir die Bedeutung des Wortes ‚Zirkel’ immer klarer.

Zum Schluss verabreden wir uns für die letzte Séance am dritten Tag. Um 14 Uhr sollen wir uns wieder im Haus Mügge treffen. Kai bittet mich darum, dass ich bei dieser Sitzung das Medium kontrollieren soll. Gerne sage ich zu und frage mich gleichzeitig, wie es sich wohl anfühlt, ein Medium in Trance anzufassen und neben Hans Bender zu sitzen, während er seine Reden hält und die Phänomene auftreten.



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