Sonntag, 17. Februar 2013

Felix Experimental Group - Tag 3: Die kontrollierte Séance

Die Séance am dritten Tag wird genauso ablaufen, wie die Séance des ersten Tages. Der Unterschied zum ersten Abend ist jedoch, dass ich das Medium kontrollieren soll, während die Phänomene auftreten. Außerdem kann Olivier, der Gast aus der Schweiz, die komplette Sitzung als Audiodatei aufzeichnen, sodass es mir möglich ist das von Hans Bender Gesprochene exakt wieder zu geben und nicht nur aus der Erinnerung heraus aufzuschreiben.

Wir treffen uns alle um 14 Uhr im Haus Mügge. Diesmal sind neue Gäste anwesend und so setzt sich der heutige Zirkel wie folgt zusammen: das Pärchen aus der Schweiz, die vier Gäste aus Russland, ein Pärchen aus Mötzingen, eine ältere Dame aus München und ich. Außerdem sind als Mitglieder des Felix Zirkels anwesend: Kai’s Mutter Elke, eine Freundin von Kai, Kai’s Frau Julia und Kai selbst. Insgesamt sind wir heute also vierzehn Personen!

Nach einer kurzen Vorstellung geht es auch gleich in den Keller. Heute sind nur erfahrene Sitzer anwesend, sodass keine weiteren Erklärungen zum Ablauf der Séance nötig sind. Wie bei der ersten Sitzung werden wir wieder abgetastet und mit einem Metalldetektor untersucht, bevor wir den Raum betreten dürfen. Wieder hat Julia die Sitzreihenfolge festgelegt. Als wir alle auf unseren Plätzen sitzen und Kai den Raum als Letzter betritt, wird die Türe verschlossen und das Licht ausgeschaltet. Wieder lauschen wir der ungewöhnlichen Stoßatmung von Kai und nach ca. 15 Minuten befindet sich das Medium in tiefer Trance und Hans Bender spricht zu uns.

Ich sehe viele bekannte Gesichter. Seit euch bewusst, dass wir eure Anwesenheit sehr zu schätzen wissen und seit euch auch bewusst, dass ihr eine starke Gruppe von Unterstützern für das benötigte Energieniveau an diesem Nachmittag seid. Vielen Dank dafür!

Während Hans Bender uns in dieser Art begrüßt, sitzt das Medium im Kabinett. Ich sitze direkt links daneben, sodass ich den bis zum Boden reichenden Vorhang leicht erreichen kann. Es ist stockdunkel im Raum. An der Decke hört man wieder das Klopfen. Hans Bender fährt fort:

Drei Tage medialer Aktivität haben Kai’s Schlafverhalten komplett durcheinander gebracht. Deswegen hat er in den letzten Tagen auch nur ein paar Stunden geschlafen. Kai’s Parasympathikus missinterpretiert den Zustand der Tiefentrance als einen Zustand des Tiefschlafes und die Aktivitäten von meinen Kollegen und mir als REM Aktivitäten während des Schlafes.

Dies hatte uns Kai schon erzählt und als Begründung genannt, warum er nach den Sèancen so müde ist und trotzdem für einige Zeit keinen Schlaf mehr finden kann.

Liebe Freunde, wie ihr wisst kommen wir körperlich zu euch einfach um unsere Anwesenheit zu demonstrieren.

Als Hans Bender dies sagt, hört man ein Klopfen im ganzen Raum.

Genau, dies sind meine Kollegen. Bitte sagt Hallo zu ihnen.

Wir begrüßen das Klopfen herzlich. Es sind die Chemiker, die als eine Gruppierung verstorbener Wissenschaftler zusammen mit Hans Bender und dem Medium Kai die Phänomene in Hanau hervorrufen. Dann bittet Hans Bender um Ruhe. Er möchte weitere Erklärungen abgeben.

Unsere Aufgabe besteht darin euch spirituelle Potenziale, informelle Potenziale von autonomer Natur zu demonstrieren, die immer auch Teil eurer geistigen Aktivitäten sind. Dies verbindet euch mit dem sogenannten spirituellen Reich.

Und wir möchten euch unsere tatsächliche autonome Fähigkeit, die Gesetze der Physik zu beeinflussen, demonstrieren.

Mancher mag denken, diese Effekte seien klein und bedeutungslos, aber das Gegenteil ist der Fall. Die Auswirkungen sind enorm! Wir glauben, dass wir Teil einer evolutionären Routine sind um die Psyche zu motivieren die Grenzen des geregelten Denkens zu überschreiten.

Wir und unsere Aktivitäten imprägnieren mit der Zeit die informelle DNA-Struktur und dann werden wir zu Archetypen des Reiches menschlichen Bewusstseins.

Liebe Brüder und Schwestern, um unter euch kommen zu können benötigen wir nun eure Energie. Es reicht nicht aus, dass eure Körper anwesend sind. Nein! Wenn ihr gemeinsam singt entsteht ein spiritueller oder psychologischer Effekt, welchen wir benutzen. Wenn ihr alle zusammen eure Gedanken auf ein Lied richtet, entsteht so etwas wie eine mentale Batterie und wir können die Energie dieser mentalen Batterie nutzen. Physikalische und psychologische Kapazitäten und Potenziale werden von uns benutzt und vermischt um unter euch treten zu können.


Olivier schaltet also wieder die Musik an und wir singen zusammen zu Songs von ABBA. Während wir singen, fragt mich Hans Bender ob ich bereit sei die Kontrolle des Mediums während der Séance zu übernehmen.

Lieber C.D., wir möchten dir sehr danken, dass du diese Aufgabe übernimmst. Aber sei dir bewusst, dass die Kontrolle des Mediums zwar wichtig ist, aber in erster Linie ist es deine Aufgabe das Medium vor allem zu schützen, was auftreten könnte. Bist du bereit und willens dies zu tun?

Ich bestätige, dass ich dazu bereit bin und Hans Bender fährt fort:

Bitte, wenn ihr anfangt zu singen, wird aus der Richtung des Kabinetts ein Energiefeld in den Raum entstehen und dieses Energiefeld ist sehr kraftvoll.

Es reicht von der Decke bis hinunter zur anderen Seite des Raumes. Wir arbeiten neben einem dreidimensionalem Netz oder Gitter. Eine netz- oder gitterartige Struktur eines dreidimensionalen Energiefeldes. Von diesem System aus operieren wir in den Raum hinein.

Manchmal wird diese systemische Basis sichtbar oder spürbar. Sie erscheinen dann wie klebrige Drähte oder feine Ektoplasma-Fäden, wie ihr schon viele von ihnen innerhalb der Masse, innerhalb der Strukturen, beobachtet habt.

Vielen Dank! Bitte sagt immer laut, wenn ihr irgendwas bemerkt!


Wir halten uns nun wieder alle an den Händen und singen weiter laut zur Musik. Die anderen Sitzer werden wieder an allen möglichen Körperstellen berührt. Eine Sitzerin berichtet von einem Gegenstand, der ihr auf die Schulter geflogen und dann über ihren Brustkorb hinunter zu Boden gerollt ist.

Jetzt fangen auch wieder die Rasseln an zu tönen. Währenddessen bemerke ich, wie das Medium mit samt dem Stuhl aus dem Kabinett hervor rutscht und dann direkt neben mir sitzt. Hans Bender bittet mich, das Medium unter Kontrolle zu bringen. Dazu suche ich im Dunkeln die linke Hand des Mediums und halte diese mit meiner rechten Hand fest. Meine linke Hand lege ich auf das linke Bein des Mediums.

Die Hand und die Hose fühlen sich sehr verschwitzt an und das Medium bewegt den Oberkörper hin und her. Manchmal durchfährt ein starkes Zittern den ganzen Körper von Kai. Dabei stöhnt und atmet er schwer und eindringlich. Nun bittet mich Hans Bender, dass ich mich zur anderen Seite beuge um Julias Hände zu greifen. Julia sitzt auf der rechten Seite des Mediums und hält es genauso fest, wie ich es tue.

Ich beuge mich also vor dem Medium rüber zur anderen Seite und greife mit meiner rechten Hand beide Hände von Julia, die wiederum die rechte Hand und das rechte Bein des Mediums festhält. Mit meiner linken Hand halte ich die linke Hand des Mediums und presse diese auf sein linkes Bein.
Auf diese Art kontrolliere ich mit meiner linken Hand die linke Seite und mit meiner rechten Hand die rechte Seite des Mediums. Gleichzeitig kontrolliere ich auf diese Art auch den Kontrollgriff von Julia. Dabei liege ich fast auf dem Schoß des Mediums, welches sich nun mit dem Oberkörper vor und zurück bewegt. Ich kann deutlich das Zittern spüren und höre das schwere Atmen über mir. Eine wirklich ungewöhnliche und intime Situation, aber dadurch kann ich das Medium und Julia vollkommen kontrollieren.

Nun fragt mich Hans Bender auch, ob beide Hände des Mediums unter Kontrolle sind, ob das Medium immer noch auf seinem Platz sitzt und ob ich die Effekte hören kann. Dann fragt er mich weiter, ob ich beide Hände von Julia festhalte und ob ich immer noch die Effekte von der gegenüberliegenden Seite des Raumes hören kann. Tatsächlich tönen die Rasseln auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes, während ich halb über dem Medium liege und Julia kontrolliere.

Die Sitzer werden weiterhin berührt und Hans Bender fragt, ob sich alle noch an den Händen halten. Dies wird von allen bejaht und so stellt er fest, dass nun alle im Raum unter Kontrolle stehen. Die Instrumente rasseln derweil weiter. Dann fragt Hans Bender nochmals Julia und mich, ob das Medium auf seinem Stuhl sitzt und versucht hat aufzustehen. Wir beide bestätigen, dass das Medium die ganze Zeit auf dem Stuhl sitzt und nicht versucht hat aufzustehen.

Nach einer Weile bittet Hans Bender darum, dass wir das Medium loslassen und sagt:

Liebe Freunde, wenn wir das Medium kontrollieren, respektive wenn wir möchten, dass ihr das Medium kontrolliert, lassen wir viel der mediumistischen Energie in den Sitzerkreis fließen. Wir tun dies damit ihr Überzeugt seid, dass das Medium im Moment auf seinem Stuhl sitzt.

Wir singen weiter unsere Lieder und nun erscheint wieder das kleine Lichtlein. Erst schwirrt es vor dem Kabinett herum und fliegt dann wieder durch den ganzen Raum. Diesmal kann ich das Licht jedoch kaum sehen, obwohl die anderen Sitzer jubeln und sich über dessen Flugmanöver freuen. Nur ab und zu sehe ich das leuchtende Objekt kurz innerhalb des Sitzerkreises aufblitzen oder ich sehe es für einen kurzen Moment durch den Raum fliegen. Dann ist es wieder verschwunden. Währenddessen kommt das Medium wieder aus dem Kabinett hervor und sitzt dann wieder genau neben mir.

Nun bittet mich Hans Bender wieder darum, das Medium in Kontrolle zu nehmen und wir wiederholen die ganze Prozedur. Ich kontrolliere das Medium und gleichzeitig Julias Kontrollgriff auf der anderen Seite. Hans Bender stellt seine Kontrollfragen, ich bestätige seine Fragen und das Phänomen findet innerhalb des Sitzerkreises statt. Es besteht keine Chance, dass das Medium in irgendeiner Weise dieses Phänomen manipulieren oder hervorrufen kann. Es befindet sich in meiner Kontrolle, sitzt auf seinem Stuhl und versucht auch nicht aufzustehen. Die Sitzer sollen das Phänomen beschreiben und Julia und ich sollen beschreiben, wie wir das Medium festhalten. Nach einer Weile verschwindet das Licht und Hans Bender möchte zum nächsten Experiment kommen.

Julia soll die leuchtenden Ping Pong Bälle vorbereiten. Dann fährt Hans Bender mit einigen Erläuterungen fort:

Nun versuchen wir die leuchtenden Kugeln zu beeinflussen. Gezielt gesteuerte Strukturen interagieren im Fokusraum. Diese Formen bilden sich entlang des Musters. Dort sind fünf ehemals verkörperte menschliche Persönlichkeiten und weil ihre wichtigsten physikalischen Erfahrungen menschlicher Natur sind offenbaren sich ihre Interventionen ebenfalls als menschlich. Deshalb erscheinen zum Beispiel menschliche Handformen. Der auf das Physische gerichtete Impuls schafft Formen innerhalb des Ektoplasma-Feldes. Diese sind buchstäblich ideoplastisch. Psychologische Impulse nehmen Gestalt an und werden zu psychischen Strukturen innerhalb des dreidimensionalen Raumes. 

Bitte, die Leute, die rund um die Trommel sitzen, möchten ihre Füße soweit wie möglich einziehen. Wenn sich die Formen aufbauen und mit ihrem lebenden Gewebe in Kontakt kommen werden sie sich spontan zurückziehen. Vielen Dank!


Jetzt halten wir uns wieder an den Händen und beginnen mit dem Gesang. Schon nach kurzer Zeit beginnen sich die Kugeln wie am ersten Tag zu bewegen. Zur gleichen Zeit kommt Hans Bender aus dem Kabinett gerückt und Julia und ich sollen das Medium wieder in Kontrolle nehmen. Dann fragt er mich:

C.D., als unabhängiger Kontrolleur: konntest du dich vollkommen davon überzeugen, dass das Medium auf seinem Stuhl saß? Was geschah währenddessen?

Ich beschreibe, wie sich die Kugeln bewegt haben, während ich das Medium auf seinem Stuhl festgehalten habe. Dann fragt Hans Bender weiter:

Zum Beispiel das unabhängige Licht… saß das Medium dabei auch auf seinem Stuhl und warst du mit der Kontrollsituation und mit dem Phänomen zufrieden? Bitte äußere dich dazu!

Ich erkläre, dass das Medium unter meiner vollen Kontrolle stand und dass währenddessen die Phänomene für mich gut zu sehen waren. Dann fährt Hans Bender mit weiteren Erklärungen fort:

Das Feld, welches wir zwischen euch errichten, die Kontroll-Themen, die Matrix, die das Energiefeld zusammen hält; all das gehört in die Dunkelheit, wie der Fisch ins Wasser. Für kurze Zeit können sie ebenso gut ans Licht kommen, wie wir die Strukturen für kurze Zeit in beleuchtete Bereiche kommen lassen oder wie sie für kurze Zeit beleuchtet werden können, aber dann müssen wir wieder in Dunkelheit gehüllt werden.

Die Dunkelheit selbst ist aber nicht der wichtigste Faktor. Fast noch wichtiger ist die Unterdrückung der menschlichen Beobachtung, weil eure physiologischen Systeme nicht dafür gebaut sind um Situationen, die teilweise durch höher organisierte dimensionale Umgebungen ausgelöst werden, zu erfassen.

Die Kontrolle (der Objekte) haben ihren Ursprung nicht in eurer Welt. Eure menschlichen Systeme wären nicht in der Lage dies zu erfassen und zu begreifen. Eure Fantasie oder eure Kenntnisse, was ihr glaubt zu wissen, was geschieht, versuchen das Inkomplette zu komplettieren.

Und das ist natürlich etwas, was wir vermeiden wollen. Ich wollte damit unterstreichen, dass die Dunkelheit tatsächlich benötigt wird, aber ebenso wichtig ist die Ablenkung der menschlichen Erfahrung. Denn diese Erfahrung ist nicht in der Lage zu begreifen, was vor sich geht. Deswegen müssen wir in der Dunkelheit arbeiten. Vielen Dank!



Nun möchte Hans Bender zum nächsten Experiment kommen: die fliegende Trompete.

Hierzu stellt Julia einen schwarzen Papptrichter, der mit leuchtenden Klebestreifen versehen ist, direkt vor das Kabinett. Das Medium hat sich bereits zurückgezogen und sitzt im Kabinett. Hans Bender meint, dass er nicht versprechen kann, dass es heute funktioniert, aber wir sollen mit dem Singen beginnen.

Nach ungefähr einer Minute beginnt sich der Trichter vom Kabinett wegzubewegen. Langsam schiebt er sich in Richtung der gegenüberliegenden Trommel. Wir singen enthusiastisch, aber es passiert nichts weiter.

Jetzt bittet uns Hans Bender darum, dass wir von fünf bis eins zählen sollen. Bei eins angekommen, sollen wir ganz fest gegenseitig unsere Hände drücken. Als wir bei eins ankommen jubeln und feuern wir den Trichter an. Und tatsächlich! Langsam erhebt er sich und beginnt im Raum hin und her zu fliegen.

In der Zwischenzeit ist das Medium wieder aus dem Kabinett gerückt. Hans Bender bittet mich um die Kontrolle und stellt dann die bekannten Fragen. Während ich das Medium kontrolliere schwebt die Trompete auf der gegenüberliegenden Seite über einer Sitzerin und klopft dieser leicht auf den Kopf. Dann vollführt der Trichter die wildesten Bewegungen im gesamten Raum bis er auf einmal plötzlich zu Boden fällt und dort liegen bleibt.

Hans Bender bittet uns wieder darum von fünf bis eins zu zählen. Bei eins angekommen erhebt sich die Trompete wieder und vollführt alle möglichen Bewegungen im gesamten Raum. Einmal sieht es so aus, als schwankt das Objekt zur Musik hin und her, so als würde es von einem Dirigenten gehalten werden.

Nun fragt mich Hans Bender, was die Trompete macht. Ich schildere ihm, dass die Trompete nun von Sitzer zu Sitzer fliegt und jedem leicht auf den Kopf klopft.

Das ganze Schauspiel dauert ungefähr drei Minuten, dann fällt die Trompete wieder zu Boden. Ein letztes Mal sollen wir versuchen die Trompete zum Fliegen zu bringen indem wir diesmal von zehn bis ein zählen sollen. Es gelingt aber nicht und die Trompete noch einmal zu motivieren.

Jetzt fragt uns Hans Bender, ob wir eine Pause einlegen möchten und ob wir frische Luft im Raum benötigen. Dies wird aber von allen verneint und so kündigt Hans Bender die Rotlicht-Phase der Séance an:

Der Organismus des Mediums wird nun auf bestimmten Ebenen verändert, um die Übertragung eines konzentrierten Volumens von Ektoplasma zu empfangen. Dieses wird nun nicht mehr über das dreidimensionale Gitter gesteuert, sondern dieses mal direkt über das neurologische, psychologische und physiologische System des Mediums.

Wie ihr vielleicht wisst, besitzt der menschliche Körper mehrere Stellen, die von Entitäten benutzt werden können, welche dimensional höher organisiert sind, als ihr Menschen. Eine dieser Stellen ist zum Beispiel die Bauchspeicheldrüse, aber auch die Zirbeldrüse.

In der Anthropologie, oder besser in der Para-Anthropologie, verdächtigen wir schon lange die Zirbeldrüse für die direkte physiologische Realisierung nicht menschlicher Entitäten. In Kai’s Fall ist es die Zirbeldrüse.

Wenn ihr euch nun Kai’s Kopf oder Schädel vorstellt… könnt ihr euch denken, wo sich Kai’s Zirbeldrüse dort befindet? Manchen von euch ahnen es schon. Ja, sie befindet sich oberhalb von Kai’s Gaumen. Diese Stelle wird von uns genutzt, um das Ektoplasma auf eurer Seite erscheinen zu lassen.

Es ist schwer zu beschreiben und die Fähigkeit der Menschen zu begreifen ist so klein. Ihr könntet euch nicht vorstellen, wenn ich euch erzähle, wozu der menschliche Körper fähig ist. Es ist eine Art von Vibrationen. Es ist eine Art von Ton, der die Zirbeldrüse mitschwingen lässt und zur Quelle des Ektoplasmas macht.

Jetzt bin ich fertig. Meine Kollegen haben mich gerade angestoßen. Ich rede zuviel… sagen sie! Aber ich glaube, solange ich Worte finden kann, um dem einen oder anderen die dahinter oder zugrunde liegenden Muster zu erhellen, sollte ich es natürlich irgendwie versuchen zu erklären. Ist das OK für euch? Oder denkt ihr, jemand sollte den alten Mann zum Schweigen bringen? Nein? Seid ihr sicher? Ja, jetzt bin ich fertig! (Sagt Hans Bender in Richtung der Chemiker.)


Zur Vorbereitung sollen wir nun wieder mit dem Gesang beginnen. Diesmal soll Julia, während das Medium das Ektoplasma aus dem Mund zieht, mit einer Rotlicht-Taschenlampe direkt in dessen Gesicht strahlen, sodass wir den Vorgang gut beobachten können.

Nun hört man das Medium wieder grunzen und stöhnen, dann tappt es mit dem Fuß auf den Boden. Julia und ich öffnen langsam die Vorhänge des Kabinetts. Ich sehe das Medium auf dem Stuhl sitzen. Der Oberkörper ist leicht nach hinten gebeugt und das Gesicht schaut in Richtung Decke. Dabei zieht es sich das Ektoplasma als einen dicken Strang von weißem Material aus dem Mund. Julia leuchtet nun mit der Taschenlampe direkt ins Kabinett und auf das Gesicht des Mediums. Das Ektoplasma verteilt sich bereits auf den Schultern und dem Bauch des Mediums. Dann soll das Kabinett wieder geschlossen werden.

Beim zweiten Öffnen zieht das Medium das Ektoplasma in alle Richtungen. Es sieht aus wie ein ganz dünnes Tuch, welches auseinander gezogen wird. Das eine Ende des Ektoplasmas steckt aber noch im Mund des Mediums. Dann sollen wir den Vorhang wieder schließen.

Beim dritten Öffnen scheint alles Ektoplasma vollständig herausgekommen zu sein. Eine große Menge der weißen Masse liegt nun auf dem Bauch des Mediums. Die Ränder wirken dicklich und gummiartig. An diesen Rändern zieht das Medium die Masse nun auseinander. So entsteht ein spinnennetzartiges Tuch, welches in alle Richtungen gezogen wird. Dann schließen wir den Vorhang wieder.

Beim vierten Öffnen zeigt das Medium seine leeren Hände. Dann greift es Teile des Ektoplasmas und beginnt damit zu arbeiten. Es sieht aus, als versucht es etwas aus dem Ektoplasma hervorzuholen. Ein großer Teil der Masse hängt als dicker Strang fast bis zum Boden und baumelt hin und her. Es glänzt ein wenig und sieht wie weißes Gummi aus. Dann soll der Vorhang wieder geschlossen werden.

Beim fünften Öffnen liegt ein kleiner Teil der auseinander gezogenen Masse auf dem rechten Knie des Mediums. Darin puhlt es herum und drückt plötzlich etwas daraus hervor. Ein Stein fällt zu Boden und rollt direkt vor meine Füße. Hans Bender fragt, ob wir es alle gesehen haben. Es sei ein roter Edelstein. Dann soll der Vorhang wieder geschlossen werden.

Nun kündigt Hans Bender an, dass das Ektoplasma wieder verschwinden wird. Vorher erläutert er aber noch:

Oh, ich wurde gerade darüber informiert… das ist interessant, weil es hat nicht geklappt, was wir eigentlich vor hatten und der Stein ist sicherlich auf unvorhersehbare Weise nicht komplett. Wir können nicht genau sagen, auf welcher Ebene, aber er ist inkomplett. Der Stein ist für C.D.!

Ich bedanke mich herzlich bei Hans Bender und alle freuen sich über die Materialisation. Dann sollen wir weiter singen.

Als der Vorhang kurz darauf wieder geöffnet wird, ist tatsächlich nichts mehr von der großen Menge des Ektoplasmas zu sehen. Wir sollen den Vorhang wieder schließen.

Nun spricht Hans Bender wieder:

Wir wollen nun das Medium wiederbeleben und zurück in eure Gefilde holen.
Wir hoffen, dass es besonders für den direkt zur Linken von Kai Sitzenden interessant war. War es eine interessante Erfahrung für dich, C.D.?

Und ich hoffe auch für alle anderen war es ein interessanter Nachmittag. Habt ihr den Nachmittag genossen?

Wir alle bejahen Hans Benders Fragen und bedanken uns bei ihm.

Liebe Freunde, im Namen der Chemiker und im Namen der FEG und im Namen von Kai Felix wollen wir nun Auf Wiedersehen sagen. Wir hoffen, dass wir uns bald wieder treffen und wir wünschen, dass ihr darüber berichtet, was ihr hier in dieser kleinen deutschen Stadt, wo die Menschen jede Wochen die Grenzen des Alltäglichen überschreiten, gesehen habt. Wo seit über zehn Jahren unsichtbare Mächte ihre Regeln etabliert haben.

Ich werde jetzt von fünf bis eins zählen. Gute Nacht!


Wir alle verabschieden uns von Hans Bender und hören, wie er von fünf bis eins zählt. Bei eins angekommen setzt sofort wieder Kai’s Stoßatmung ein und er fragt sofort, ob alles geklappt hat.
Alle verlassen den Raum. Nur Julia und ich sollen drinnen bleiben. Dabei sitzt Kai weiterhin im Kabinett. Er versucht mit uns zu sprechen, schläft aber immer wieder mitten im Satz ein. Nur langsam scheint Kai aus der Trance zurück zu finden.

Nach einer Weile suchen wir den Raum mit den Taschenlampen nach sogenannten ‚versteckten Apporten‘ ab. Julia erzählt, dass schon mal nach der Séance ein Apport gefunden wurden, die vorher nicht im Raum waren. Wir finden aber nichts.

Nach ungefähr zwanzig Minuten gehen wir zusammen zurück ins Wohnzimmer, wo die anderen Gäste schon warten. Dort zeige ich den Stein, den mir Hans Bender und die Chemiker geschenkt haben und wir unterhalten uns angeregt über das gerade Erlebte. Nach ungefähr einer Stunde verabschiede ich mich von Kai und seiner Familie und begebe mich auf die Rückreise.

***

Auf dem Weg nach Hause lasse ich mir die Erlebnisse noch einmal durch den Kopf gehen. Während sich uns die Phänomene präsentierten, wurde das Medium von mir und Julia festgehalten. Wir überprüften sogar gegenseitig unsere Kontrolltätigkeit. Das Medium saß also die ganze Zeit auf seinem Stuhl und konnte Arme und Beine nicht frei bewegen.

Wie bereits erwähnt kommt mir die Vorstellung, dass sich das Medium während der Sèance und während die Phänomene auftreten durch den Sitzerkreis bewegen könnte, sowieso äußerst unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich vor.

Auch eine Manipulation durch irgendwelche Apparaturen, wie z.B. eine Angel oder andere mechanische Vorrichtungen, kann ich ausschließen. Zum Einen habe ich den Séance-Raum am ersten Tag selbst überprüft und durch die Untersuchung der einzelnen Sitzer vor dem Betreten des Raumes kann auch ausgeschlossen werden, dass irgendwelche Apparaturen mit hinein geschmuggelt wurden. Zum Anderen lässt die Natur der Phänomene eine mechanische Manipulation in meinen Augen nicht zu. Die Bewegungen des kleinen Lichtchens, die sich bewegenden Ping Pong Bälle, die erscheinenden Hände auf der Plaque, das fliegende Taschentuch, die Berührungen, welche ich am eigenen Leib erfahren habe und die Präsentation des Ektoplasmas im Rotlicht: all das wirkte auf mich alles andere als mechanisch und würde nach meinem Verständnis einen Aufwand und eine Disziplin der ‚Fälscher’ erfordern, die meines Erachtens nicht innerhalb der dreistündigen Séance zu bewältigen ist.

Wir alle wurden bewusst von Julia so auf die Plätze aufgeteilt, dass zumindest immer ein Sitznachbar ‚fremd’ war. So kann man ausschließen, dass sich innerhalb der Sitzer Gruppen bilden, welche die Phänomene manipulieren. Außerdem hielten wir uns die meiste Zeit, auf jeden Fall aber während die Phänomene auftraten, an den Händen, sodass sich eine Kontrollkette bildete. Zumindest ich kann behaupten, dass ich während der ersten Séance mit meiner linken Nachbarin und mit meinem rechten Nachbarn die ganze Zeit über Körperkontakt hatte. Und die mir gegenübersitzenden Gäste wirkten auf mich auch nicht so, dass sie die Phänomene heimlich manipuliert hätten.

Zu Guter letzt wirkte der herzliche und offene Empfang im Hause Mügge und die Mitglieder des Zirkels (Kai's Mutter Elke, Kai's Frau Julia, die Freundin von Kai's Bruder und die Nachbarin) alles andere als suspekt auf mich. Ich wurde zu keiner Zeit zu etwas gezwungen, was mir zuwider gewesen wäre und wir wurden zu jeder Zeit ermuntert Fragen zu stellen oder Objekte und Räumlichkeiten zu untersuchen.

So danke ich Kai und seiner Familie, dem Felix Zirkel und Hans Bender und den Chemikern für dieses erstaunliche Wochenende in Hanau, den eindrücklichen Kontakt zur Anderswelt und natürlich für den Edelstein, der sich während der dritten Seance vor meinen Augen aus dem Ektoplasma materialisierte!
Außerdem danke ich Olivier für den Audiomitschnitt der dritten Seance!


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